Barmer GEK Pflegereport 2016: Wohnort beeinflusst Art der Pflege

Welche Pflegeangebote pflegebedürftige Menschen in Deutschland annehmen, hängt weniger von ihren Präferenzen und eher vom Wohnort der Pflegebedürftigen ab. Zu diesem Schluss kommt der kürzlich veröffentlichte Pflegereport 2016 der Barmer GEK (siehe PDF). Die alljährlich durchgeführte Untersuchung der Krankenkasse hinterfragt aktuelle Leistungen und weist auf notwendige Weiterentwicklungen im Bereich der Pflege in Deutschland hin.

Pflegeangebote entsprechen bundesweit nicht dem nötigen Pflegebedarf

Der Vorstandsvorsitzende der Barmer GEK, Dr. Christoph Straub, bringt es auf den Punkt: Die Anzahl der Pflegeheime und Pflegedienste vor Ort entscheidet darüber, wie Pflegebedürftige bundesweit betreut werden. Anders ausgedrückt spiegelt die Anzahl der Heimplätze (aktuellste Daten von 2015) und Pflegedienste in der gesamten Bundesrepublik nicht ansatzweise den eigentlichen Pflegebedarf wider. Die Pflegebedürftigen erhalten damit nicht zwingend die Pflege, die sie eigentlich benötigen sondern die, die vor Ort verfügbar ist. Die Barmer GEK fordert daher den Ausbau transparenter, für alle zugänglicher Informationsangebote sowie flächendeckende Unterstützungsleistungen, um die Qualität der Pflege für Pflegebedürftige zu verbessern.

Große regionale Unterschiede bei Pflegearten

Wer wie gepflegt wird, unterscheidet sich dem Report zufolge regional sehr stark. So spielt die Pflege in Heimen in Schleswig-Holstein die größte Rolle. Knapp die Hälfte aller Pflegebedürftigen (49,2 von 100) werden hier in Pflegeheimen betreut. Ebenfalls einen hohen Anteil an Pflegeheimen haben Bayern (40,4/100) und Niedersachsen (37,3/100). Ein ganz anderes Bild zeigt sich in Brandenburg: Pro 100 Pflegebedürftiger sind hier lediglich 26,9 Plätze in Pflegeheimen vorhanden. Der Anteil an Pflegediensten und Angehörigen, die die Pflege übernehmen, ist entsprechend hoch. Insgesamt 28,5 Prozent der Pflegebedürftigen in Brandenburg werden von Pflegediensten betreut – ein Wert, der nur durch Bremen (28,7 Prozent), Hamburg (29,2 Prozent) und Sachsen (29,0 Prozent) übertroffen wird. Übrigens: Neben dem Wohnort spielt auch die Finanzkraft eines Pflegebedürftigen und seiner Angehörigen eine Rolle dabei, wie Pflege organisiert wird. Ist das Einkommen der Angehörigen gering, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass ein Pflegebedürftiger im heimischen Umfeld betreut wird.

Pflegebedarf stark steigend

Im Hinblick auf den künftigen Pflegebedarf beobachten die Forscher einige interessante Entwicklungen. So erkennt der Report, dass die Zahl der Pflegebedürftigen in Berlin, Baden-Württemberg, Bayern, Bremen, Hamburg sowie Hessen zwischen 2050 und 2060 spürbar ansteigen wird – hier wären schon heute Investitionen in Pflegeheime und Pflegedienste sinnvoll und notwendig. Zugleich wird für die östlichen Bundesländer im selben Zeitraum ein deutlicher Rückgang der Pflegebedürftigen erwartet. Grundsätzlich gilt: Je länger die Pflegebedürftigkeit anhält, desto höher die Wahrscheinlichkeit, auf professionelle Unterstützung bei der Pflege angewiesen zu sein.

2017-05-19T16:09:43+00:00 6. Dezember 2016|Allgemein|