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Aufklärung & Portal-Praxen statt Notaufnahme-Gebühr

Die vielfältigen Herausforderungen des Krankenhausbetriebes sind seit langem bekannt: Schließungen und Übernahmen vieler Häuser durch hohen Kostendruck, steigender bürokratischer Aufwand und Dutzende Patienten, die sich einen Mediziner oder eine Schwester teilen. Daraus resultieren Dauerstress, Personalmangel, überfüllte Notaufnahmen & lange Wartezeiten…

Die Schuld der Patienten?

30-50 Prozent aller Notaufnahme-Patienten sind wegen Bagatellen vor Ort. Das führt zu langen Wartezeiten, auch für “echte Notfälle”. Das wären lebensbedrohliche Umstände wie: Herzinfarkt, Schlaganfall, Brustschmerzen und Atemnot, Lähmungserscheinungen, Knochenbrüche sowie schwere Platz-, Schnitt- und Brandwunden, welche eine stationäre Aufnahme im Krankenhaus erfordern. Für leichtere Beschwerden gibt es den ärztlichen Bereitschaftsdienst bzw. eine Notfallpraxis der Kassenärztlichen Vereinigung. Diese kann man unter der Nummer 116 117 erreichen.

Der Kontakt des Notdienstes ist allerdings nahezu unbekannt und die Arztpraxen wechseln sich mit der Nacht- bzw. Wochenendbereitschaft untereinander ab. Das heißt, dass der Patient im Ernstfall zunächst herausfinden muss, wohin er sich begeben soll, um Hilfe zu bekommen. Im Gegensatz dazu ist ein Krankenhaus mitsamt Notaufnahme garantiert am selben Ort vorzufinden und steht 24 Stunden, an 7 Tagen pro Woche zur Verfügung.

Welche Beweggründe sind noch ausschlaggebend?

Gerade in ländlichen Regionen besteht ein Mangel an Allgemein- und Fachärzten, Entfernung und fehlende Kapazitäten können demzufolge eine Rolle spielen. Berufstätige suchen oftmals eine Notaufnahme auf, weil sie dort in den Abendstunden bzw. am Wochenende behandelt werden und so ihre Arbeit nicht vernachlässigen müssen. Teils ist es die Unlust auf den Arzttermin in 2 Monaten zu warten, teils das Unvermögen sein Krankheitsbild richtig einzuordnen, um entscheiden zu können, welche nächsten Schritte erforderlich werden. Hinzu kommt das unterschiedliche, subjektive Empfinden. Nur weil eine sofortige Behandlung persönlich als notwendig erachtet wird, muss dies aus ärztlicher Sicht nicht unbedingt der Fall sein. Wenn im Voraus Symptome gegoogelt werden, ist das Ergebnis oft eine schlimme Krankheit, die im Regelfall zwar nicht zutrifft, aber dennoch verunsichert und der Klärung bedarf.

Mehr Taten, weniger Worte!

Zu viele Menschen verstehen des System (noch) nicht und nehmen den Weg des geringsten Widerstandes. Die Folgen sind eindeutig: überfüllte Notaufnahmen, gestresstes Personal und lange Wartezeiten vor allem für dringende Fälle. Andreas Gasser, Vorsitzender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, schlug vor, eine Gebühr für die Nutzung der Notaufnahmen einzuführen. Kritiker befürchten, dass besonders sozial Schwache damit abgeschreckt werden und ihnen somit der Zugang zu medizinischer Notversorgung erschwert wird.

Ein bereits praktizierter Lösungsansatz ist die Eröffnung von Portal-Praxen als zentrale Anlaufstellen in den Krankenhäusern. Die Rems-Murr-Kliniken, das Marienhospital Stuttgart, das Diakonissen-Krankenhaus in Niesky und das Helios-Klinikum Gifhorn (um nur einige zu nennen) haben den kassenärztlichen Notdienst zusätzlich zur Notaufnahme vor Ort integriert.

Die Patienten können in diesen Portal-Praxen ihr Leiden schildern und die Ärzte leiten nach erster Begutachtung eine stationäre Aufnahme im Krankenhaus oder eine ambulante Versorgung beim ärztlichen Notdienst ein. So werden die Patientenströme besser selektiert und organisiert. Die Notaufnahme wird entlastet, die anfallende Arbeit auf mehrere Schultern verteilt und alle Betroffenen werden bestmöglich, bei gleichen Qualitätsstandards versorgt. Die Behandlungskosten sinken proportional zu den Beschwerden aufgrund von langer Wartezeit. Und im absoluten Notfall befindet sich immer ein OP in der Nähe. (jl)

2018-07-24T10:50:42+00:0020. Juli 2018|Gesetzlich, Gesundheit, Politik|