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AOK Regensburg verweigerte Krankengeld – Versicherter verliert seine Wohnung

Eine Lücke in der Krankschreibung verursachte einen Rechtsstreit zwischen der AOK und ihrem Versicherten. Der Fall Berlinger hat in Deutschland für großes Aufsehen gesorgt, denn das Ehepaar wurde nach der Verweigerung von Krankengeld erst mittel- und dann obdachlos.

Lücke in Krankschreibung als Auslöser

Emanuel Berlinger ist im Juni 2017 arbeitsunfähig geworden. Grund dafür war eine komplizierte Fraktur im Handgelenk, die er sich beim Sport zugezogen hatte. Die AOK Regensburg (Bayern) hatte aufgrund einer Lücke von einem Tag innerhalb der Arbeits­unfähig­keits­bescheinigungen über viele Monate die Zahlung des Krankengeldes verweigert.

Herr Berlinger zog sich einen Bruch des Kahnbeins zu. Die Fraktur war schwer zu erkennen und konnte erst nach einem halben Jahr vom Facharzt festgestellt werden. Die Verlängerung der Krankschreibung übernahm der Facharzt nicht und verwies Herrn Berlinger an den Hausarzt. Dieser stellte jedoch die Arbeitsun­fähig­keits­bescheinigung erst ab dem darauffolgenden Tag aus. Die entstandene Lücke in der Krankschreibung sorgte für die Verweigerung von Zahlungen und die Beendigung der Versicherung durch die AOK. Herr Berlinger konnte aufgrund der fehlenden Versicherung nun nicht mehr zum Arzt gehen, demzufolge fehlten weitere Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen für die Zahlung von Krankengeld. Aus Kulanz wurde Herr Berlinger zeitweise von der Krankenkasse seiner Frau in die Familienversicherung aufgenommen.

Gespräche mit der AOK scheiterten

Der Versicherte und sein Rechtsanwalt hatten vergeblich versucht, durch Gespräche mit den Sachbearbeitern der AOK Regensburg, die Sachlage zu klären. Auch die nachträglich ausgestellte Krankschreibung durch den Arzt halfen nicht weiter. Berlinger und seine Frau verloren infolge der Einkommensausfälle ihre Wohnung, obwohl die Lücke nicht selbst verschuldet war. Aufgrund der Schulden beim Vermieter wurde die Wohnungssuche zunehmend erschwert, zwangsläufig zogen sie auf einen Campingplatz.

Sozialgericht entschied zu Gunsten des Versicherten

Das Sozialgericht Regensburg entschied am 13. September 2018, dass der Bescheid der AOK rechtswidrig war. Herr Berlinger bekam das komplette Krankengeld in Höhe von 13.000 Euro nachträglich von der Krankenkasse ausbezahlt. Zum 4. Oktober sollte eine entsprechende Überweisung angeordnet worden sein. Die Bericht­erstattung zum Fall und öffentliche Aufmerksamkeit haben dazu geführt, dass die Krankenkasse endlich die ausstehenden Zahlungen in Auftrag gegeben hat. Es bleibt zu hoffen, dass das auch für weitere Fälle dieser Art eine Signalwirkung hat. Ob Berlinger nun auch auf Schadensersatz für die Mittellosigkeit und den Verlust seiner Wohnung sowie den Weg in die Obdachlosigkeit klagen wird, ist nicht bekannt. (jw)

Von |2018-10-26T12:39:40+00:0026. Oktober 2018|Gesetzlich, Recht, Versicherung|