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Anspruch auf PKV-Tarifwechsel auch ohne Gesundheitsprüfung

Wenn die Erhöhung sehr hoch ausfällt, werden sich die Betroffenen zunächst einmal ärgern. In einem zweiten Schritt werden sie Überlegungen anstellen, wie man den steigenden Kosten für die Absicherung bei Krankheit entkommen kann. Vielleicht zieht so mancher den Wechsel zu einer anderen Versicherung in Erwägung, doch ein solcher Schritt will gut überlegt sein. Die bereits angesparten Altersrückstellungen können nur in Höhe des Basistarifs mitgenommen werden. Zudem sollte man Vorsicht walten lassen, wenn ein Vermittler einen Kunden zu einem Wechsel des Unternehmens überreden oder sogar drängen will. Man spricht in solchen Fällen von Abwerbung oder Umdeckung. Dem Versicherungsvermittler geht es in vielen Fällen nur um seine Provision. Die finanziellen Belohnungen für den Wechsel zu einem anderen Anbieter zahlen die Kunden mit ihren ersten Beiträgen.

Tarifwechsel gesetzlich festgelegt

Ein anderer Schritt zur Umgehung von höheren Kosten kann deshalb auch ein Tarifwechsel innerhalb des angestammten Unternehmens sein. Bei einer Erhöhung der Prämien kann der Versicherte in einen anderen Tarif wechseln. Dieses Recht ist gesetzlich verankert, und zwar im Versicherungsvertragsgesetz (§ 204 VVG). Doch die Versicherungen versuchen immer wieder, die Ansprüche ihrer Kunden auszuhöhlen. Nach Medienberichten haben einige Versicherer verneint, dass den Wechselwilligen bestimmte Tarife offenstehen. Der Wechsel in geschlossene Tarife wurde abgelehnt. Diese Tarife werden von Vermittlern nicht mehr für neue Kunden angeboten. Nach einem Bericht des „Handelsblatt“ vom Oktober dieses Jahres wurde sogar behauptet, dass die Aufsichtsbehörde BaFin den Wechsel in diese Tarife ausschließe.

Neue Gesundheitsprüfung verlangt

Das ist eine falsche Aussage. Ein Versicherter in der PKV kann in jeden Tarif wechseln, wenn er gleichartigen Versicherungsschutz bietet. Dass es ein offener Tarif sein muss, steht nirgendwo im Gesetz. Einen weiteren Fall, bei dem der Versicherer versuchte, eine Kundin vom Tarifwechsel abzuhalten, schildert ein Bericht auf der Internetseite anwalt24.de. Die Mandantin der Anwälte wollte eine Erhöhung ihrer monatlichen Beiträge nicht hinnehmen. Sie wollte deshalb von ihrem Recht auf den Wechsel in einen anderen Tarif Gebrauch machen und gab diese Absicht ihrem Versicherer bekannt. Zunächst musste sie mehrfach nachfragen. Schließlich teilte ihr der Versicherer mit, dass sie sich bei einem Tarifwechsel einer erneuten Gesundheitsprüfung unterziehen müsse.

Wechsel in gleichartigen Tarif ohne neue Überprüfung

Doch die Frau wollte keine Prüfung. Sie suchte Hilfe bei ihren Anwälten, die sich auch mit dem Versicherer in Verbindung setzten. Sie machten ihm deutlich, dass seine Kundin im Recht sei. Bei einem bestehenden Vertrag kann die Versicherte verlangen, dass ihr Antrag auf einen Wechsel des Tarifs angenommen wird. Ihre erworbenen Rechte und die Altersrückstellungen darf sie mitnehmen, wenn der neue Tarif den gleichen Schutz wie der alte Tarif bietet. Wenn die Fakten so liegen, darf der Versicherer keine Gesundheitsprüfung verlangen.

Erfolgreicher Protest der Versicherten

Die Anwälte hatten Erfolg. Ihre Mandantin erhielt von ihrem Versicherer drei Angebote für den Wechsel in einen anderen Tarif. Die Offerten galten rückwirkend, und eine neuerliche Gesundheitsprüfung wurde ebenfalls nicht mehr verlangt. Wie die Anwälte berichten, übernahm die Rechtsschutzversicherung der Mandantin die Kosten. Es lohnt sich also, sich bei einer Erhöhung der Beiträge zur PKV genau zu informieren und auch Hilfe von kompetenten Beratern in Anspruch zu nehmen.

2017-10-16T09:50:12+00:00 29. November 2012|Gesundheit, Recht, Versicherung|