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Medikamentenmissbrauch mit weit verbreiteter Akzeptanz

In Berlin wurde kürzlich das Ergebnis einer Forsa-Studie zum Thema Medikamentenmissbrauch veröffentlicht. Mit 43 Prozent gab knapp die Hälfte der Befragten an, dass sie den Missbrauch von Medikamenten zur Verbesserung des allgemeinen Wohlbefindens als durchaus akzeptabel empfinden. Fast ein Fünftel der Befragten gab an, selbst schon einmal verschreibungspflichtige Medikamente auch ohne medizinische Indikation benutzt zu haben. Ein weiteres Viertel sagte, es zu akzeptieren, bisher aber keinen Gebrauch davon gemacht zu haben.

Medikamentenmissbrauch alltäglich

Die Ergebnisse der Forsa-Umfrage sind besorgniserregend, so der Präsident der Bundesapothekerkammer Andreas Kiefer auf dem Symposium für «Arzneimittelmissbrauch – Fakten und Herausforderungen». Er betonte, dass die Anwendung verschreibungspflichtiger Arzneimittel ohne medizinische Notwendigkeit keineswegs eine Lapalie ist. Er weist auf teilweise starke Nebenwirkungen von Medikamenten (Bsp. COPD) sowie Risiken für die Gesundheit hin. Die präsentierte Umfrage ging weiter sogar noch weiter ins Detail mit dem Ergebnis: Je mehr die geistige Leistungsfähigkeit (PDF) gestärkt werden soll, um so höher ist die Akzeptanz für die Medikamenteneinnahme. Für die Steigerung der körperlichen Leistungsfähig­keit haben die Menschen eine geringere Toleranzschwelle. Geht es darum, Nervosität und Stress zu bekämpfen, die Stimmung aufzuhellen oder sich zu beruhigen, gaben etwas mehr als ein Zehntel der 5000 Befragten an, bereits Medikamente zu diesem Zweck genommen zu haben. Weitere 20% konnten sich Situationen vorstellen, in denen sie selbst zu einer solchen Maßnahme greifen würden.

Verharmlosung und Toleranz weit verbreitet

Jeder Zwanzigste Umfrage-Teilnehmer hat bereits Mittel zur Konzentrationsverbesserung (Tipps) eingenommen, ohne dass diese von einem Arzt verordnet wurden. Knapp ein Fünftel stand dieser Option für die Zukunft offen gegenüber. Gut 11% haben sich eigenen Angaben zufolge diese Medikamente auf illegale Weise im Internet beschafft. Die ABDA als Spitzenvertretung aller Apothekerinnen und Apotheker im Land fühlt sich der gesundheitlichen Aufklärung naturgemäß verbunden. Angesichts dieser Zahlen zeigt sie sich sehr besorgt. Die Tatsache, dass fast die Hälfte der Deutschen den Missbrauch von Arzneien als realistische Option für den Alltag betrachtet, sei erschreckend. Doch was sind die Ursachen für solch eine hohe Toleranz gegenüber dem Medikamentenmissbrauch?

Medikamentensucht und Sorglosigkeit als Ursachen?

Einige Stimmen behaupten, die Apotheker und Ärzte müssten ihrer Aufklärungspflicht (PDF) besser nachkommen und mit den Patienten stärker persönliche Beratungsgespräche führen. Als ein weiterer Grund kann angeführt werden, dass in Deutschland bereits etwa 1,5 Millionen Menschen als abhängig von Beruhigungsmitteln gelten –  diese Medikamentensucht hat damit etwas Alltägliches und damit nicht so Abschreckendes an sich. Hinzu kommt, dass vor allem älteren Menschen unverhältnismäßig häufig Beruhigungsmittel verschrieben werden. Und zwar auch über ungesund lange Zeiträume –  diese Art der Behandlung ist am wenigsten aufwändig. Der Medikamentenmissbrauch im Alter bleibt lange unerkannt und unbehandelt: Besonders ältere Menschen gehen mit verschreibungspflichtigen Medikamenten eher unbedacht um, was besonders bei Polymedikation gefährlich sein kann. In vielen Fällen werden sie nicht nur sehr sorglos verschrieben, sondern in größeren Mengen sogar mit Depressionen als Folge.

2018-04-19T15:51:22+00:00 16. März 2018|Gesetzlich, Gesundheit, Politik, Recht|