In Zukunft könnte der Beitragssatz der sozialen Pflegeversicherung noch mehr ansteigen als bisher. Der PKV-Verband gab bekannt, dass ein Anstieg der Versiche­rungs­beiträge in den nächsten zehn bis zwanzig Jahren um über vier Prozent nicht auszuschließen sei. Der Beitragssatz würde demnach im Jahr 2040 etwa 7,9 Prozent betragen.

Beiträge könnten auf mehr als das Doppelte steigen

Laut einer Studie des wissenschaftlichen Instituts der PKV (WIP) stecke die Pflegeversicherung bereits aktuell durch Verschuldung in einer Krise. Der Beitragssatz, der zuletzt im Januar 2019 angehoben wurde, liegt derzeit bei 3,05 Prozent. Kinderlose Beitragszahler müssen 3,3 Prozent in die Pflegeversicherung einzahlen.

Frau Dr. Christine Arentz, Leiterin der Untersuchung, geht davon aus, dass bei der Schätzung des Anstiegs der Beiträge vor allem die demografische Entwicklung näher betrachtet werden muss. Der Bevölkerungsanteil, der aus der Zeit der geburten­starken Jahrgänge stammt, werde bis zum Jahr 2040 voraussichtlich in ein Alter kommen, das vermehrte Pflege erforderlich macht. Wenige junge Menschen, die in der Zeit der geburtenschwachen Jahre geboren wurden, müssten dann viele Ältere unterstützen.

WIP schätzt mögliche weitere Verschuldung ein

Die Schuldenlast, die sich bei der derzeitigen Beitragspolitik ergeben könnte, wird von Arentz auf etwa 400 Milliarden Euro bis zum Jahr 2040 geschätzt. Die Versorgung alter Menschen über die Pflegeversicherung ist bereits heute kaum noch gewährleistet. Hinzu kommt, dass durch die Vielzahl der zu erwartenden Älteren eine weitere Steigerung der Ausgaben zu erwarten sei. Als Beispiel gab Arentz an, dass ein Beitragszahler, der zum Ende der 1980er Jahre geboren wurde, etwa 50 Prozent mehr in die Pflegeversicherung einzahlen müsse, als ein in den 1960er Jahren Geborener. Bei einer Hochrechnung der Beitragssätze bis zum Jahr 2040 wäre ein starker Anstieg der Beiträge auf über sieben Prozent kaum noch zu verhindern.

Alternativen zur Beitragserhöhung

Der Geschäftsführer des PKV-Verbandes, Dr. Timm Genett, steht einer drastischen Beitragserhöhung eher skeptisch gegenüber. Der Beitragszahler könnte dadurch überfordert werden. Eine Lösungsmöglichkeit könnte in einer kapitaldeckenden Pflegezusatzversicherung liegen. Das sei eine sinnvollere Alternative, als über eine Leistungskürzung nachzudenken. Des Weiteren käme es nicht in Frage, die Defizite durch Zuschüsse aus der Staatskasse zu decken. Darüber ist man sich innerhalb des PKV-Verbandes einig. Bei der Suche nach einer geeigneten Lösungsmöglichkeit sei zum einen die Nachhaltigkeit von Bedeutung, zum anderen müsse Wert auf Gerechtigkeit in den Generationen geachtet werden. Eine Leistungskürzung kommt hingegen aktuell nicht in Betracht. Beitragszahler müssen sich wohl auf weitere Beitragserhöhungen in den nächsten Jahren einstellen.

Steigender Beitrag nicht das einzige Problem

Nicht nur der Beitragssatz zur Pflegeversicherung steigt, auch der wachsende Eigenanteil für einen Platz im Pflegeheim ist für Viele kaum noch bezahlbar. Die Kostenbeteiligung für Heimbewohner beträgt im Durchschnitt rund 1.800 Euro. Um die Zahl der Sozialhilfebedürftigen in Pflegeheimen zu verringern, fordert der Verband katholischer Altenhilfe in Deutschland e.V. (VKAD) von der Politik eine Höchstgrenze für den Eigenanteil. Auch die öffentliche Anerkennung für die Pflegekräfte sei wichtig. Für Ulrike Kostka, Direktorin des Caritasverbandes für das Erzbistum Berlin, ist das Personalleasing in der Pflege ein weiteres Problem: Je mehr Leiharbeiter in einer Einrichtung tätig sind, desto mehr leide die Betreuungsqualität und das Pflegeverständnis. Für Kostka ist es wichtig, dass Hilfskräfte in der Pflege mehr gefördert werden und bei einer weiterführenden Ausbildung zum Facharbeiter Unterstützung erhalten.