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ADHS – Regelmäßige Medikamenteneinnahme kann Unfälle verhindern

ADHS ist eine breite gesellschaftliche Erkrankung, die Patienten der verschiedensten Altersstufen betrifft. Entgegen der landläufigen Meinung sind von der als Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung bekannten Krankheit nicht nur Kinder betroffen, sondern auch zahlreiche Erwachsene. Vielen von ihnen ist nicht einmal bekannt, dass sie an dieser Erkrankung leiden, denn ADHS und ADS sind bei uns kaum als Krankheitsbilder Erwachsener bekannt. Die Gefahr, die davon ausgehen kann, ist nicht zu unterschätzen, wie aktuell die Auswertung einer schwedischen Studie in diesem Zusammenhang zu Ursachen von Unfällen zeigt.

Diagnose von ADHS im Erwachsenenalter schwierig

Die Studie des Forscherteams der Karolinska-Universität (in Englisch) aus Stockholm hat kürzlich ergeben, dass es beispielsweise im Straßenverkehr durch ADHS-Patienten zu gravierenden Unfällen kommen kann, die sich vermeiden ließen, würden diese ihre Medikamente regelmäßig einnehmen. Solange betroffene Erwachsene aber keinen Leidensdruck verspüren und daher auch keinen Arzt konsultieren, kann folglich auch nicht behandelt werden, weder medikamentös noch über therapeutische Angebote. Und unter Umständen kann selbst ein Arztbesuch eine andere Diagnose ergeben, wenn die Patienten sich nicht in die Hände von Spezialisten begeben: hauptsächlich universitäre Einrichtungen und Kliniken, wie zum Beispiel die medizinische Hochschule Hannover (MHH), bieten spezielle Diagnosezentren an. Neben einer ausführlichen Anamnese der Grunderkrankung werden an der Psychiatrischen Poliklinik Campus der MHH auch mögliche Begleiterkrankungen unter die Lupe genommen, und in die nachfolgende Behandlung und Beratung mit einbezogen. Die weiteren Behandlungsschritte und Strategien werden von den Ärzten mit den Patienten gemeinsam besprochen. Eine der Optionen: eine Therapie mit verhaltenstherapeutischem Ansatz, auch an der Frustrationstoleranz zu arbeiten und den Jähzorn, eine der bekannten Begleiterscheinungen, besser in den Griff zu bekommen.

Weniger Unfälle durch ADHS Patienten möglich

Die mangelnde Impulskontrolle ist auch einer der Gründe, warum von ADHS Betroffene häufiger in Unfälle verwickelt sind. Sie fahren impulsiv, rücksichtsloser und eher unkonzentriert. Nun haben schwedische Forscher durch Datenauswertungen herausgefunden, dass die regelmäßige Einnahme der entsprechenden Medikamente gerade bei männlichen Patienten mit ADHS die Unfallhäufigkeit merklich senken kann. Nicht immer aber werden die Medikamente vergessen, sondern manchmal auch absichtlich nicht eingenommen. Rund 22 Prozent der schweren Verkehrsunfälle ließen sich auf den Verzicht der ADHS-Medikation erklären, so die Forscher. Grundlage der Berechnungen war neben der schwedischen Studie selbst der intensive Einblick in Daten und Akten von US Bürgern mit dem gleichen Krankheitsbild. Bei der Einnahme von bewußtseinsverändernden Medikamenten trägt der ADHS-Patient in Deutschland eine besondere Verantwortung mit festgelegten Rechten und Pflichten (PDF), da der Gesetzgeber ganz klare Einschränkungen zum Thema Fahreignung vorgibt. Kommt es in der Folge zu einem Unfall, ist es auch für die gesetzliche oder private Unfallversicherung relevant, ob es einen Zusammenhang zwischen einer (fehlenden) Medikamenteinnahme und dem Unfall gibt.

Unfälle der Betroffenen haben häufig schwere Folgen

Die Auswertungen der vorliegenden Daten haben ergeben, dass die Rate schwerer Verkehrsunfälle bei Männern mit ADHS um 49 Prozent und bei Frauen um 44 Prozent erhöht ist. Das bedeutet, wenn es im Straßenverkehr mit einem ADHS-Patienten kracht, dann häufiger richtig. Umso wichtiger ist der Verweis der Forscher auf die Möglichkeit, diese Gefahr einzudämmen, indem die passenden ADHS-Medikamente regelmäßig eingenommen werden. Die Studie hat zudem ergeben, dass der Effekt bei Amphetamin-Präparaten gegenläufig sein kann. Hier kann es einem Reboundeffekt kommen, wenn der Wirkspiegel sinkt. Wer also morgen um acht seine Mittel nimmt, hat um Mitternacht ein erhöhtes Unfallrisiko. Diese Daten müssten von Ärzten berücksichtigt und kommuniziert werden.

2017-10-13T09:27:48+00:00 15. Juni 2017|Gesundheit, Versicherung, Vorsorge|