Hausarzttarif 2017-05-18T10:30:45+00:00

Das Hausarztmodell der gesetzlichen Krankenversicherung

Die Gesundheitsreform 2007 brachte einige Veränderungen im Gesundheitssystem mit sich. Beispielsweise sind gesetzliche Krankenkassen nun zum Hausarzttarif verpflichtet und übernehmen die Kosten, wenn der Patient vor der Terminvereinbarung mit einem Facharzt den Hausarzt aufsucht. Vor allem Patienten die regelmäßig zum Hausarzt gehen, erhalten durch den Tarif enorme Vorteile.

Pro und Kontra beim Hausarztprinzip

Termine bei Fachärzten sind schwer zu bekommen und oftmals von langen Wartezeiten begleitet. Die Wartezeit auf einen Termin verlängert sich, wenn der Patient nicht mit einer Überweisung vom Hausarzt, sondern aus freien Stücken im Zuge der freien Arztwahl beim Facharzt vorspricht. Im Hausarzttarif ausgeschlossene Behandlungen sind Notfälle, beispielsweise in der Frauen- und Augenheilkunde, wo die direkte Konsultation eines Facharztes notwendig und eine Vorstellung beim Hausarzt ohne Mehrwert ist. Das Ziel des koordinierten Hausarztprinzips lässt sich anhand dieser Beispiele kurz erklären:

  • unnötige Facharzttermine und Klinikbesuche
  • Gefahren durch Wechselwirkungen von Medikamenten
  • Diagnosefehler durch die Konzentration auf eine solitäre Erkrankung des Patienten

werden vermieden und bei Inanspruchnahme des Hausarztmodells ausgeschlossen. Allerdings gibt es für den Patienten nicht nur Vorteile, sondern auch einige Nachteile zu beachten. Nicht jeder Hausarzt bietet den Hausarzttarif an und so kann es notwendig werden, den langjährig vertrauten Arzt zu wechseln. Weiter sind ist auch die Einschränkung der freien Arztwahl eines der Beispiele für einen Nachteil. Patienten werden an verpartnerte Mediziner, nicht an den gewünschten Facharzt überwiesen und können daher von ihrer gesetzlich möglichen freien Arztwahl keinen Gebrauch machen.

Das Hausarztmodell nicht flächendeckend verbreitet

Zu beachten ist, dass nicht jede gesetzliche Krankenkasse am Hausarztmodell teilnimmt und die Kosten für das Hausarztprinzip abdeckt. Gleiches gilt für Hausärzte, die den Tarif anbieten können, zur Teilnahme am Hausarztmodell aber nicht verpflichtet sind. Patienten die in Regionen mit geringer Flächendeckung teilnehmender Mediziner leben, können vom Hausarzttarif aufgrund mangelnder Angebote keinen Gebrauch machen. Wer die Möglichkeit hat, kann sich durch das Hausarztprinzip aber vor vielen Problemen schützen und so beispielsweise die:

  • Frühuntersuchung zur Prävention
  • Vermeidung von Doppeluntersuchungen
  • und Wartezeiten unter 30 Minuten,
  • sowie Termine außerhalb der Sprechzeiten sichern.

Wie die aufgeführten Beispiele zeigen, ist der Tarif nicht für jeden Patienten optimal und bedarf einer Prüfung, ob die Leistungen tatsächlich in Anspruch genommen werden. Ältere und chronisch kranke Patienten mit regelmäßigen Kontrollterminen erhalten durch das Angebot der Krankenkassen einen Vorteil und sollten die Vorsprache beim Hausarzt nutzen. Teilnehmende Mediziner sind bei den gesetzlichen Krankenkassen zu erfragen.